Zur Aussagekraft internetbasierter Wertermittlungs-Tools für die fahrzeugtechnische Schadenfeststellung
2025, p. 350 (#10)
Die sachgerechte Ermittlung des Wiederbeschaffungswerts ist ein zentraler Bestandteil der fahrzeugtechnischen Begutachtung nach Verkehrsunfällen. Während sich in der Praxis über Jahrzehnte professionelle Systeme wie DAT, Schwacke und Audatex als methodisch fundierte Bewertungsgrundlage etabliert haben [1, 10], gewinnen internetbasierte Tools (zum Beispiel WinValue oder Auswertungen von Onlinebörsen) zunehmend an Bedeutung. Diese liefern schnelle Ergebnisse, beruhen jedoch auf unkontrollierten Inserats-Daten und weisen erhebliche methodische Defizite auf. Der Beitrag untersucht die technischen Grundlagen, methodischen Schwächen und praktischen Fehlentwicklungen solcher Systeme im Ver gleich zu professionellen Bewertungsdatenbanken. Neben praxisnahen Beispielen werden auch wissenschaftliche Mindestanforderungen (unter anderem IfS [3], VDI [2]) herangezogen, um die Unterschiede zwischen validierten Transaktionsdaten und unverifizierten Inserat-Daten systematisch herauszuarbeiten. Aus der Gutachterpraxis zeigt sich zudem, dass vorgerichtliche Bewertungen häufig auf unzureichenden Grundlagen beruhen und von Gerichten und Anwälten unkritisch übernommen werden. Dies birgt das Risiko faktischer Beweisvereitelung und begünstigt juristische Trugschlüsse, wo nach Fahrzeugwerte allein anhand von Unterlagen oder Online-Abfragen bestimmbar seien. Im Ausblick wird auf die Notwendigkeit hingewiesen, methodische Standards weiterzuentwickeln. Hierzu wird ein neuer Ansatz vorgestellt, der derzeit wissenschaftlich aufgearbeitet wird und auf einer stärker kategorie- und ausstattungsorientierten Methodik basiert [12,13],
The significance of internet-based valuation toolsfor assessing vehicle damage
The accurate determination of replacement value is a central component of vehicle damage assessment following traffic accidents. While Professional Systems such as DAT, Schwacke and Audatex have established themselves as methodologically sound valuation bases in practice over decades [1, 10], internet-based tools (e.g. WinValue or evaluations from online exchanges) are becoming increasingly important. These deliver guick results, but are based on uncontrolled advertisement data and have significant methodological shortcomings. This article examines the technical fundamentals, methodological weaknesses and practical shortcomings of such Systems in comparison with Professional valuation databases. In addition to practical examples, minimum scientific requirements (including IfS [3] and VDI [2]) are also used to systematically highlight the differences between validated transaction data and unverified advertisement data. Expert practice also shows that pre-trial valuations are often based on insufficient grounds and are accepted uncritically by courts and solicitors. This carries the risk offactual obstruction ofevidence and encourages legal fallacies, according to which vehicle values can be determined solely on the basis of documents or online queries. The outlook points to the need tofurther develop methodological Standards. To this end, a new approach is presented, which is currently being scientifi- cally developed and is based on a more category- and equipment-oriented methodology [12, 13].
Zitat
Schröder, J.; Dreher, S.: Zur Aussagekraft internetbasierter Wertermittlungs-Tools für die fahrzeugtechnische Schadenfeststellung. Verkehrsunfall und Fahrzeugtechnik 63 (2025), pp. 350 – 357 (#10)